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Vor Ort entdeckt

Gestern wieder unterwegs: vier vergessene Grabstätten in Skåne

Von Jan Mirass · 12. Juni 2026 · Lesezeit ca. 7 Minuten

Es gibt Orte, an denen Menschen ihre Toten zur Ruhe betteten — und die die Welt dann vergaß. Gestern bin ich genau danach losgezogen: vier letzte Ruhestätten im Norden von Skåne, vom versteckten Mausoleum eines dänischen Fabrikbesitzers bis zu einem Pestfriedhof, der heute nur noch stille Wiese ist. Ein Streifzug unter Vergessenen — komm mit.

Das versteckte Mausoleum von Östanå Bruk

Grabkapelle aus Naturstein im Waldstück Pappbacken bei Östanå Bruk, Skåne
Halb von Fels und Rhododendron verschluckt: die Grabkapelle von Moritz Hagemann im Waldstück „Pappbacken".

Oberhalb einer alten Papierfabrik, im Waldstück „Pappbacken", steht — halb von Felsen und blühendem Rhododendron verschluckt — eine kleine Grabkapelle aus dunklem Naturstein. Hier ruht Moritz Hagemann (1810–1884), ein dänischer Fabrikbesitzer mit bewegter Geschichte. Nach dem Frieden von Prag floh er aus seiner von Preußen besetzten Heimat, erwarb 1872 das Werk hier in Schweden — und traf die bewusste Entscheidung, seine letzte Ruhe im Exil zu finden. Eine gusseiserne Plakette an der Kapelle erinnert bis heute an sein Leben.

Verwitterte Holztür der Grabkapelle Hagemann, in den Fels gebaut
Die verwitterte Holztür, in den Fels gebaut — ein denkmalgeschütztes Zeugnis regionaler Industriegeschichte.

Der Grabhügel des Leutnants Hoppenstedt

Schmiedeeisernes Tor zwischen Ziegelpfeilern am Grabhügel Hoppenstedt bei Östra Broby
Ein Tor zwischen Ziegelpfeilern, dahinter der von einer Steinmauer eingefasste Grabhügel.

Auf dem Areal von Denningarums Gård bei Broby, von alten Bäumen umstanden, liegt ein kreisrunder Grabhügel — eine der wenigen offiziell registrierten privaten Grabstätten der Region. Ein schmiedeeisernes Tor zwischen Ziegelpfeilern führt durch eine Steinmauer hinein; die Anlage misst rund 15 mal 15 Meter.

Grabstein mit gusseiserner Tafel der Familie Hoppenstedt, Inschrift HÄR HVILA
„HÄR HVILA" — hier ruht: die gusseiserne Tafel nennt fünf Familienmitglieder, 1803 bis 1839.

Die gusseiserne Tafel nennt die Namen: Hier ruht der königlich schwedische Leutnant Johan Fredrik Hoppenstedt (1747–1803), dessen Vater einst als Regimentsarzt von der Insel Rügen nach Schweden eingewandert war. Die Familie wollte den Gutsherrn so unbedingt in heimischer Erde wissen, dass sie 1805 die Überführung vom Brobyer Kirchhof auf das eigene Land erwirkte. Bis zum Jahr 1839 fanden hier fünf Familienmitglieder ihre letzte Ruhe — ein verborgenes Juwel, mitten im Wald.

Das uralte Gräberfeld von Hästveda

Aufgerichteter Stein eines vorgeschichtlichen Gräberfelds in einer Wiese bei Hästveda
Der aufgerichtete Stein, 1,4 m hoch — Markierung eines Gräberfelds unbekannter Ausdehnung.

Die anderen Stationen sind ein paar Jahrhunderte alt — diese hier ist viel, viel älter. Mitten in einer Wiese steht ein aufgerichteter Stein, 1,4 Meter hoch, oben mit Moos bedeckt. Er markiert ein Gräberfeld, dessen Ausdehnung niemand kennt. Unter der Grasnarbe verbergen sich Gräber: Bei einer Grabung 1993 — keine 20 Meter entfernt, unter der heutigen Straße — fand man auf rund 600 m² ganze 27 Anlagen: sieben Brandgräber, Fundamente für weitere aufgerichtete Steine und dazu Reste einer Siedlung mit Feuerstellen und einer Kochgrube.

Alte Trockenmauer aus Feldsteinen am Gräberfeld Hästveda
Eine alte Trockenmauer zieht sich durch das Gelände — Stein für Stein von Hand geschichtet.

Der Pestfriedhof

Offene Wiese bei Hästveda — Standort eines aufgelassenen Pestfriedhofs
Auf den ersten Blick nur eine Wiese — und doch ein aufgelassener Pestfriedhof.

Zum Schluss ein Ort, der auf den ersten Blick … nichts ist. Eine offene Wiese, von Bäumen gesäumt, Wolken darüber. Und doch: Hier lag ein Pestfriedhof, rund 80 mal 70 Meter groß, 1823 offiziell aufgehoben und auf einer Vermessungskarte von 1831 noch eingezeichnet. Unter dem stillen Gras ruhen die, die man in Zeiten der Seuche hierher brachte — weit weg vom Dorf. Kein Stein, kein Schild, nur Wiese. Manchmal ist gerade das Unscheinbare am eindringlichsten.

Wie ich solche Orte finde

An den meisten dieser Plätze würde man achtlos vorbeilaufen. Das Mausoleum steckt im Wald, der Pestfriedhof sieht aus wie eine x-beliebige Weide. Mein Werkzeug ist die PrimeMap App: Sie zeigt mir die archäologischen Fundstellen aus dem schwedischen Denkmalregister als eigene Pins — mit Beschreibung in meiner Sprache. Und das Beste: Orte, die in keinem Register stehen, wie das Mausoleum Hagemann, habe ich selbst als Beitrag in der App ergänzt. Offizielle Fundstellen und das Wissen der Community auf einer Karte — so wird aus jedem Spaziergang eine Entdeckungsreise.

PrimeMap App: das selbst eingetragene Mausoleum Hagemann als POI
So sieht das in der App aus: das Mausoleum Hagemann — ein Ort, den ich selbst als Beitrag ergänzt habe.

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