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Vor Ort entdeckt

Gestern wieder unterwegs: drei steinerne Zeitzeugen in Skåne

Von Jan Mirass · 11. Juni 2026 · Lesezeit ca. 6 Minuten

Es gibt diese Tage, an denen man mit der Kamera loszieht und mehr findet, als man zu hoffen wagte. Gestern war so einer. Irgendwo zwischen Hästveda, Glimåkra und Östra Broby, im bewaldeten Norden von Skåne, bin ich auf drei Orte gestoßen, die seit Jahrtausenden still in der Landschaft liegen — vermoost, von den meisten übersehen, und doch unfassbar lebendig, wenn man erst einmal davorsteht. Komm mit auf den Streifzug.

Der versteckte Reststein von Hästveda

Aufrechter, moosbedeckter Reststein im Buchenwald bei Hästveda, Skåne
Der „Reststein" von Hästveda — knapp einen Meter hoch, oben mit Moos bedeckt, gleich neben dem Waldweg.

Den ersten hätte ich fast verpasst. Direkt an der Straße, versteckt zwischen Sträuchern, steht ein aufrechter Stein — knapp einen Meter hoch, die Kanten von Jahrtausenden gerundet, der Scheitel von Moos überzogen. Im schwedischen Denkmalregister (Riksantikvarieämbetet/Fornsök) trägt er den nüchternen Namen „Grab mit Steinen markiert". Seine genaue Funktion? Unbekannt. Genau das ist das Faszinierende: Hier steht etwas, das ein Mensch vor sehr langer Zeit bewusst aufgerichtet hat — und wir können nur noch rätseln, warum.

Derselbe Reststein, halb verborgen hinter Buchenzweigen und Laub
Ohne den Hinweis in der Karte wäre ich glatt vorbeigelaufen — er steckt fast vollständig im Grün.
Man steht vor so einem Stein, legt die Hand auf das kühle, raue Moos — und plötzlich sind die Jahrtausende kein abstrakter Begriff mehr.

Die rätselhaften Schälchen von Glimåkra

Großer moosbewachsener Findling in einem lichten Eichenhain bei Glimåkra
Der Findling von Glimåkra — auf seinem „Rücken" verbergen sich bronzezeitliche Schälchen.

Ein paar Kilometer weiter, in einem lichten Eichenhain, dann dieser Brocken: ein gewaltiger Findling, über und über mit leuchtend grünem Moos überzogen, fast sieben Meter lang. Was ihn besonders macht, sieht man erst auf den zweiten Blick — auf seinem Rücken sind zehn Schälchen eingearbeitet, je 5 bis 6 Zentimeter im Durchmesser, von Menschenhand in den harten Stein geschliffen. Solche Felsritzungen stammen meist aus der Bronzezeit. Wofür sie dienten — Opferkult, Sternbilder, Fruchtbarkeitssymbole? — weiß bis heute niemand sicher. Verwittert, geheimnisvoll, großartig.

Nahaufnahme des moosbedeckten Findlings von Glimåkra mit Schälchen-Vorkommen
Aus der Nähe: ein lebendiger grüner Pelz aus Moos über uraltem Granit.

Das Gräberfeld von Östra Broby

Runde Steinsetzung eines Gräberfelds zwischen Wacholder bei Östra Broby
Eine der fünf Steinsetzungen von Östra Broby — eine runde Grabanlage, eingefasst von Steinen.

Der Höhepunkt des Tages. Auf einer Anhöhe zwischen Wacholder und Wiese liegt ein ganzes Gräberfeld — 40 mal 20 Meter, bestehend aus fünf Steinsetzungen. Es sind ursprünglich runde Anlagen, 6 bis 9 Meter im Durchmesser, aufgeschichtet aus faust- bis kopfgroßen Steinen. Die größte von ihnen trägt eine umlaufende Kantenwelle und eine zentrale Mittelsteinsetzung und misst stattliche 14 Meter. Über die Jahrhunderte wurde manches ausgegraben, manches geplündert, manch ein Ackerstein dazugeworfen — und trotzdem erkennt man sofort: Hier haben Menschen ihre Toten bestattet, mit Sorgfalt, in der Form, die ihnen heilig war.

Mit Flechten bewachsene Grabsteine des Gräberfelds Östra Broby, dahinter eine Trockenmauer und grüne Weide
Flechten in Gelb und Grau überziehen die Steine — dahinter eine alte Trockenmauer und offene Weide.
Steinsetzung zwischen Wacholdersträuchern mit aufrechtem Markierungsstein
Zwischen den Wacholdern ragt ein spitzer Stein auf — ein stummer Wächter über dem Gräberfeld.

Wie ich solche Orte überhaupt finde

Ehrlich? An den meisten dieser Plätze würde ich achtlos vorbeilaufen. Kein Schild, kein Parkplatz, kein Hinweis — der Reststein steckt im Gebüsch, das Gräberfeld sieht aus der Ferne aus wie ein Haufen Steine. Das Werkzeug, das aus einem Spaziergang eine Zeitreise macht, ist eine gute Karte.

Ich nutze dafür die PrimeMap App. Sie zeigt mir die archäologischen Fundstellen als eigene Pins direkt auf der Karte — mit Typ, Datierung und der originalen Beschreibung aus dem schwedischen Denkmalregister, übersetzt in meine Sprache. So weiß ich vorher, was mich erwartet, und finde Orte, die sonst unsichtbar bleiben.

PrimeMap App: Detailansicht eines archäologischen Siedlungsplatzes bei Hästveda
So sieht das in der App aus: ein Siedlungsplatz bei Hästveda — urkundlich belegt seit dem Jahr 1377.

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